Cinéclub

JAWS STEVEN SPIELBERG USA, 1975, Vostfd

JAWS STEVEN SPIELBERG USA, 1975, Vostfd

Donnertag, 12. März 2020

16:10 Uhr in der Aula des Gambachs
 

En quelques lignes

Pendant qu’un requin féroce terrorise la population d‘une île et multiplie ses victimes, le trio improbable formé d’un chef de police, un pêcheur et un expert maritime se met sur la trace du géant pour le réduire à néant.

 

Et en un peu plus

Le thème de la saison est «Ça va couper, chérie !». Que coupe-ton donc ? Ici, c’est éminemment le souffle que l’on cherche à couper. Tous les moyens sont mis en oeuvre pour y parvenir.

Premièrement, le réalisateur profite du mystère déjà présent dans l’eau et ses créatures fantastiques. Qu’y a-t-il donc sous cette couverture fraîche et paisible que sont nos pâles étendues ? C’est cette coupure entre notre monde allègre, ensoleillé et le monde profond et toujours inconnu des profondeurs de la mer qui est exploitée pour faire naître un pénétrant sentiment d‘angoisse chez le spectateur.

Pour accentuer ce suspense, la musique nous délecte aussi. Son rythme entrecoupé,que l’on reconnaîtra aisément, similaire à un battement de coeur toujours plus sourd et rapide est d’un sinistre menaçant. Les silences sont tout autant importants que le reste, et ici d’un effet sensationnel, par exemple lorsqu’on décide de couper brutalement une scène atroce, nous laissant un souvenir de ce qui vient de se passer et nous octroyant le temps d’apprécier l’étendue des abominations dans ce silence lugubre.

La caméra coupe, elle aussi, certaines choses de son cadre. Le réalisateur ne nous montre, à travers la fenêtre de son monde, qu’une partie des horreurs auxquelles nous faisons face, nous laissant tout le loisir d‘imaginer, ou non, les atrocités devant nous, ce qui,d’ailleurs, ne diminue aucunement leur effet. Ces omissions volontaires sont aussi utilisées pour faire varier les perspectives et les plaisirs, par exemple en suggérant la présence du monstre en nous montrant son point de vue «par-dessous», qui serait probablement tout à fait anodin hors contexte.

Ainsi, c’est cette coupure entre ces deux mondes, cette coupure entre le réel et nos fantasmes, cette coupure entre ce que nous savons et ce que nous imaginons qui nous coupe le souffle, qui coupe notre coeur et notre esprit, qui nous emplit d’épouvante et nous fait frémir de plaisir. 

Pour le cinéclub, René Kulic

 

Vous trouverez également une bande-annonce alternative du film sur la chaîne youtube du cinéclub:  https://www.youtube.com/watch?v=ACduamR9dvM

The Curse of the Jade Scorpion, von Woody Allen, USA, 2001 E/d/f

The Curse of the Jade Scorpion, von Woody Allen, USA, 2001 E/d/f

Dienstag 3. Dezember, 16h10, Aula 

In wenigen Worten:

 

Wertvoller Schmuck, der gestohlen wurde; Ermittler, die selbst des Verbrechens verdächtig sind und dennoch mit Beschuldigungen um sich werfen; eine junge Frau, die für die Modernisierung ihres Unternehmens verantwortlich ist; wie laufen diese Handelsstränge wohl zusammen?

 

Darüberinhaus:

 

Wenn Woody Allen vor der Kamera steht, sieht man sich oft mit einem hageren Schwerenöter konfrontiert, der sich lautstark über alles und jeden beklagt. Das Leben seiner Charaktere ist stets mit einer Melancholie durchtränkt, die sich wie eine dunkle Wolke über sein Gemüt legt. Kontrolliert von seinen Ängsten bewegt er sich von Szene zu Szene, und ist dabei immer ein wenig überwältigt von den Ereignissen, die ihn umegben.

 

Woody Allen hinter der Kamera - das ist eine andere Geschichte. Als Filmemacher ist er ein talentierter Workaholic, um nicht zu sagen Stachanovist; so hat er seit 1969 mehr als fünfzig Filme gedreht, fast einen pro Jahr. Und wenn sich darunter auch ein paar lükenfüllende Exemplare finden, sprüht sein Gesamtwerk nur so vom Charme, Humor und der Intelligenz eines Genies, das stets Grenzen auszuloten versucht. 

 

So erstaunt es nicht, dass etliche Oscars und andere renommierte Auszeichnungen für seine Filme erhalten hat. Diese Preise hat er jedoch nie in Empfang genommen – zu wichtig war ihm seine Mitgliedschaft in einem Klarinett-Ensemble, das sich jeden Montagabend trifft, um der Musik zu fröhnen. Die Absurdität dieser Entscheidung würde zwar vorzüglich zu einem seiner Charaktere passen, doch auch im echten Leben ist Allan Stewart Konigsberg kein grosser Fan der Academy Awards. Seiner Meinung nach ist «Diese Belohnungssache ein wenig albern».

 

«Ich kann mich so nicht vor dem Urteil der Leute verbeugen. Denn wenn man es tut, wenn sie behaupten, dass man eine Belohnung verdient, muss man es auch tun, wenn sie behaupten, dass man keine verdient.»  
- Woddy Allen 

 

Über The Curse of the Jade Scorpion sagte Woody Allen einst, dass dieser Film wahrscheinlich der schlechteste sei, den er je gedreht hat. Als Filmstars wie Tom Hanks und Jack Nicholson die Hauptrolle abgelehnt hatten, musste Woody selbst einspringen, um sich als Hauptdarsteller in der Rolle des C. W. Briggs zu verpflichten. Das Resultat? Ein etwas (zu) leichterer Unterton, der das Rampenlicht auf die Hauptrolle fokussiert, wodurch die Nebendarsteller etwas an Ausdruckskraft eingebüsst haben. 

 

Dass sich Woody so ins Rampenlicht rücken kann, wäre nur dann erstaunlich, wenn es sich dabei um eine Ausnahme handeln würde. Doch bereits zu Beginn seiner Karriere, als er eine Nebenrolle in What's New, Pussycat? (dem ersten von ihm geschriebenen Film) ergattert hatte, modifizierte er die Handlung des Films so lange, bis seine Nebenrolle die schauspielerische Leistung der Hauptdarsteller beeinträchtigte. Die wachsende Präsenz von Woodys Schauspiel konnte schlussendlich nur durch den Produzenten gedrosselt werden.

 

Und doch, trotz dieses harten Urteils über die Wirkung von Woody Allen als Schauspieler, ist The Curse of the Jade Scorpion nichts anderes als gute Unterhaltung. Obschon nicht revolutionär, vermag der Film den geistreichen Humor der Screwball Comedy in der Beziehung zwischen C. W. Briggs und Betty-Ann Fitzgerald mit den sonst eher dunkleren und pessimistischen Zügen des Film Noir in der Thematik des Kriminellen zu vereinen. Eine unwahrscheinliche, aber erfolgreiche Mischung, bei der eine prägnante Leichtigkeit über dem Schatten steht.

 

Und allem voran dürfen wir ein wenig Nachlässigkeit, eine verrückte Handlung, einen Besuch auf einem persischen Markt und einen Aufenthalt in Madagaskar genießen. 

Bevor wir mit den Fingern schnippen, um uns aus der hypnotischen Trance zu befreien.

Saul Fia (Le Fils de Saul), réalisé par Lázló Nemes, HUN, 2015

Saul Fia (Le Fils de Saul), réalisé par Lázló Nemes, HUN, 2015

Donnerstag 19. November 2019, 16h10, Aula

In wenigen Worten:

Oktober 1944, Auschwitz-Birkenau.

Saul Ausländer ist Mitglied des Sonderkommandos, einer Gruppe von jüdischen Gefangenen, die vom Rest des Lagers isoliert und gezwungen sind, die Nazis bei ihrem Vernichtungsplan zu unterstützen. Er arbeitet in einer der Krematorien, als er den Körper eines Jungen entdeckt, in dessen Gesichtszügen er seinen Sohn wiedererkennt. Während das Sonderkommando eine Revolte vorbereitet, beschliesst er, das Unmögliche zu tun: den Körper des Kindes vor den Flammen zu retten und ihm eine gebührende Bestattung zu ermöglichen.

 

Darüberhinaus:

Für den Philosophen Georges Didi-Huberman ist Sauls Sohn "ein notwendiges, zusammenhängendes, nützliches, unschuldiges Monster". Ein monströser Film, weil er Ausdruck eines leider sehr realen Alptraums ist: der Horror der Shoah, der Konzentrationslager und ihrer unsäglichen Grausamkeit. Gleichzeitig ist es ein notwendiger und nützlicher Film, weil er im Rahmen einer sehr riskanten ästhetischen und narrativen Formulierung in der Lage ist, die nicht darstellbare Natur eines solchen Ereignisses als "schwarzes Loch" in der menschlichen Geschichte und im Denken darzustellen. Die Kohärenz des Ganzen findet sich schlussendlich in der Kunst des Kinos, Töne mit bewegten Bildern so zu vermischen, dass Licht die dunklen Ecken des Seins nur soweit beleuchten, wie es die Filmemacher zulassen.

Es ist dieser letzte Aspekt, der wahrscheinlich den größten Einfluss auf den Zuschauer haben wird. Erzählt wird die Geschichte nämlich aus der Perspektive von Sauls Sohn; die Kamera befindet sich permanent in der Nähe von Saul (direkt hinter ihm, direkt vor ihm, um ihn herumdrehend, ihm in seinem hektischen Rennen durch das Lager folgend).  Weil die Kamera ihm sprichwörtlich auf Schritt und Tritt folgt, sind unsere Augen und Ohren an ihn gebunden, was die Frage aufwirft, inwiefern der Zuschauer Zeuge einer authentischen Repräsentation authentischer Geschehnisse sein kann. Unterstützt wird dieser Zustand auch von der visuellen Einschränkung der Tiefenschärfe, welche meist so gering ist, dass wir auf dem Bildschirm oft nur das sehen, was im Vordergrund ist, während der Rest verschwommen bleibt. Folglich erschliesst sich uns das Leid der Konzentrationslager stets flüchtig, aber nie frontal.

Im Zentrum steht also der Protagonist, der stets im Licht der Aufmerksamkeit gebadet wird. Mithilfe eines dynamischen Schnitts erreicht die Kinematographie einen minimalen Schärfebereich im Raum des Sichtbaren, der von einem sehr engen Feld in der Praxis der Nahaufnahme begleitet wird. Der vermeintlichen Oberflächlichkeit einer solchen Visualisierung wird dennoch Tiefe gegeben, indem sie von Geräuschen, Tönen, Stimmen und Geschrei untermalt wird. Auch hier werden unsere Augen Ohren, und unsere Ohren werden Augen.

Diese Mischung aus Bild und Ton geht durch Körper und Mark, besonders dann, wenn sie Gewalt, Schrecken und Leid in einem stark reduzierten, schwer erfassbaren, und doch erfahrbaren Raum thematisiert. Während unser Verstand versucht, den faktischen Grundlagen des Geschehens zu entfliehen, übernimmt das sensorische Zentrum, das in der Gegenwart von solch grossem Leid weder blind noch taub gemacht werden kann. Unser Herz reagiert auf diese Reflexion eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte mit der Erkenntnis, welch unglaubliche Kraft das Kino entwickeln kann, wenn es historische Ereignisse wie den Holocaust mit den Mitteln von Klang und Ästhetik verarbeitet.

Als Inkarnation von Dringlichkeit und Enge, radikaler und ängstlicher Darstellung des Unsagbaren, was sich in den Konzentrationslagern zugetragen hat, bleibt Der Sohn Sauls dennoch ein unschuldiger Film. Weil der Film die Geschichte des reinen Wahnsinns aus der Sicht seines Protagonisten zeigt, erleben wir seine Bestrebungen, den Körper und die Identität eines einzelnen Kindes aus der Massenvernichtung herauszureißen und ihm dabei einen Teil seiner Menschlichkeit zurückzugeben, als absurd. Sauls Sohn ist dabei gleichzeitig Opfer und Akteur, “der entgegen der Grausamkeit seiner Umwelt eine Situation zu schaffen vermag, in der ein Kind existiert, das bereits tot ist”. In dieser Hinsicht ist Der Sohn Sauls nicht nur ein Gang durch die Hölle des Holocausts, sondern gleichzeitig ein Weg aus der Dunkelheit; die Bilder fluten unsere Herzen, regen uns zum Denken an, und lassen uns Hoffnung spüren, wo sonst nur Trostlosigkeit herrscht.

 

La cité de la peur, von Alain Berbérian, FRA, 1994 F

La cité de la peur, von Alain Berbérian, FRA, 1994 F

Dienstag 1. Oktober, 16h10, Aula

In wenigen Worten :

Während der Filmfestspiele von Cannes instrumentalisierte die Pressesprecherin Odile Deray eine Mordreihe an Filmvorführern, um für den Trashfilm "Red is dead" zu werben.

 

 

Darüberhinaus :

Aus Budgetgründen muss im Folgenden auf die Dienste unseres Übersetzers verzichtet werden. Wir haben ihn durch Babelfish ersetzt.

 

Hast du den berberischen Film gesehen?

Es ist nicht Polanski, Lynch oder Dolan.

Es ist nur ein Film zu Lachen

Und es ist

Nicht so schlimm.

 

Es ist nicht Godard, Kurosawa,

Tarkovski, Fritz Lang oder Capra.

Wenn Sie diese Pellet aus den Markt bringen,

Ist mein altes

Besser als Sie wollen.

 

{Chorus:}

Yuri,

In der Stadt der Freude,

Yuri,

Was hast du?

Yuri,

In Der Belohnung der Angst

Denke nicht, dass du den Trucker

Spielen musst.

 

Chabat Lauby und das Schlimmste Farrugia

Es ist nicht Delon Deneuve oder Sinatra

Aber es ist besser als das,

Es ist nicht so schlimm, oder nur wenn…

Circular

 

Pass auf deinen Jochbein

Auf Die Clique in einer Motorhaube an der

Automatischen Tür

Meine alte Dame muss nicht zum alten Haus gehen,

weil du in La Carioca tanzen wirst.

 

{Chorus:}

Yuri,

In der Stadt der Freude,

Yuri,

Was hast du?

Yuri,

In Der Belohnung der Angst

Denke nicht, dass du den Trucker

Spielen musst.

 

Der Kinoclub freut sich, Ihnen mitzuteilen, dass Babelfish nun ausgedient hat. Für weitere Texte verpflichten wir fortan unseren guten alten Übersetzer. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Vorschau auf die Saison 2019-2020

"Die Leitung wird gekappt, Schatzi!"

 

Krieg ist Vater von allen, König von allen. Die einen macht er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien."

Heraklit, Fragment 8 (DK)

 

"Die Leitung wird gekappt, Schatzi!" Das verheißt nichts Gutes für die alten Hasen. Während sie am Telefon hängen, oder ihrem farblosen Alltag nachgehen, kommt urplötzlich ein unangenehmer Kerl in rabenschwarzer Kluft daher, der mit seiner Sichel alles rot färben möchte. Das Leben, wenn auch manchmal sterbenslangweilig, ist immer tödlich.

 

Man muss nicht nach Cannes reisen, um dem öden Alltag ein Schnippchen zu schlagen. Der Kinoclub Gambach lädt Sie am Dienstag oder Donnerstag zu seiner zweiten Staffel ein. Diesmal stehen die Vorführungen unter der Schirmherrschaft von schäbigen Ermittlern, Kinoprojektionisten bis hin zu 'Ingenieur-Pianisten.'

 

"Die Leitung wird gekappt, Schatzi!" Aber was genau wird eigentlich gekappt? In den meisten Fällen natürlich die Rede, wenn es darum geht, seinen Standpunkt zu vertreten oder das Gesicht zu wahren. Wer messerscharf argumentiert, sich selbst auch mal verbal beschneidet indem er einfach zuhört, findet öfters den richtigen Zeitpunkt, ein gutes Wort einzulegen. Ob in einer Demokratie, im Klassenzimmer, im Restaurant oder in der Partnerschaft; in jedem dieser Fälle ist klare Kommunikation König.

 

Aber nicht nur die Sprache ist zweischneidig. Auch Dolch und Wakizashi blitzen auf, bevor sie ihr Ziel treffen. Da ist man froh, mehr als nur einen stumpfen Bambus zur Hand zu haben! "Die Leitung wird gekappt, Schatzi!" verkünden wir, bevor die Farbe des Todes auf dem Bildschirm erscheint.

 

Während die Welt des Alltäglichen von der Sprache und dem Blut durchtränkt werden, so lebt die Welt des Kinos vom Filmschnitt: der Art und Weise, wie Präsenz und Absenz gewichtet sind. Sagen oder verschweigen - verstecken oder zeigen - das ist hier die Frage. Einerseits bestimmt der Regisseur, welch monströses Wesen er in unserem Wohnzimmer entfesselt. Andererseits bedingt der Bildausschnitt das Ausmass, mit dem Bilder auf uns wirken. Die Kamera kappt die Wirklichkeit und reduziert sie auf ein winziges Fenster, in dem uns eine in sich geschlossene, vom Bildrand eingefasste Eigenwelt vorgeführt wird. Was darüber hinausgeht, was dahinter geschieht, offenbart sich uns nur durch das Gehör und die Fantasie. Der Off-Screen, da wo unsere Ohren Augen werden; diese Terra incognita, auf der wir oft nur im Director's Cut Fuss setzen können; da wo die "Leitung gekappt wird, Schatzi!"

 

Wir treffen dieses Mal auf fünf Protagonisten, die uns in den Tiefen des Konzentrationslagers, an den Hintereingängen, in den Straßen Roms und auf dem tödlichen Tatami begegnen. Wenn auch ihre Zeit, ihre Kultur und ihre Anliegen unterschiedlich sind, so verbindet sie alle ein einschneidendes Schicksal. Um das Ganze noch etwas aufzupeppen, laden wir Sie auch dieses Jahr dazu ein, die Filmreihe durch einen sechsten Eintrag zu ergänzen.

 

 

Liebe SchülerInnen, liebe KollegInnen, liebe MitarbeiterInnen, wir freuen uns darauf, mit Euch zu sehen, zu fühlen und zu diskutieren.

Für den Kinoclub,

 

Olivier Vonlanthen & Matthieu Troillet