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Fight Club, von David Fincher (USA 1999)

Fight Club, von David Fincher (USA 1999)

Warnhinweis: Fight Club ist ein interessanter und inhaltsreicher Film, aber er ist auch gewalttätig, sowohl visuell als auch konzeptionell. Einige Szenen könnten so die jüngsten oder sensibelsten Zuschauer schockieren, weshalb diese Projektion für erfahrene Zuschauer ab 18 Jahren empfohlen wird.

 

Dienstag 21. Mai, 16h10, Aula

In wenigen Worten:

Die schockierende Geschichte eines geheimen Box Clubs, der gegen unsere Konsumgesellschaft kämpft, welche Sie so sehr faszinieren wird, dass sie kaum Zeit haben werden mit Ihren Augen zu blinzeln. 

Darüber hinaus:

Wir werden Euch einen Kultfilm vorstellen, der einer der umstrittensten der 90er Jahre ist. Nachdem er eine halberfolgreiche Kinoausstrahlung in den USA hatte, wird er von nun an als ein Klassiker bezeichnet und wird für seine Dreistigkeit und seine Innovationskraft bejubelt.

Der Erzähler (Edward Norton), der ein sehr monotones Leben führt, kann nach etlichen schlaflosen Nächten endlich wieder die Augen schliessen, als er bei Gruppentherapien mitmacht für Krankheiten, unter denen er gar nicht leidet. Als er plötzlich eine junge Frau (Helena Bonham Carter) entdeckt, welche dieselbe Art Abzocke durchführt wie er, entscheiden sich die zwei, sich die verschiedenen Therapiesitzungen unter einander aufzuteilen.

Danach lernt er einen charismatischen Seifenverkäufer namens Tyler Durden (Brad Pitt) kennen. Nachdem sie sich anfreunden, fangen die zwei an sich zu schlagen um sich irgendwie am Leben zu fühlen. Sie entscheiden ihre Leidenschaft zu teilen, indem sie den Fight Club ins Leben rufen.

Dessen Regeln sind einfach:

  • 1. Regel: Ihr verliert kein Wort über den Fight Club.
  • 2. Regel: Ihr verliert KEIN WORT über den Fight Club.
  • 3. Regel: Wenn jemand „Stop“ ruft, schlappmacht oder abklopft, ist der Kampf vorbei.
  • 4. Regel: Es kämpfen jeweils nur Zwei.
  • 5. Regel: Nur ein Kampf auf einmal.
  • 6. Regel: Keine Hemden, keine Schuhe.
  • 7. Regel: Die Kämpfe dauern genau solange, wie sie dauern müssen.
  • 8. und letzte Regel: Wer neu ist im Fight Club, muß kämpfen.

Dieser Film ist für Euch ideal, wenn Ihr bereit seid, von dem verlorenen Geist eines Mannes der in unserer moderner Konsumgesellschaft verloren ist, verblüfft zu werden.

Eine besessene Montage, die mehr als nur einen aus dem Hocker werfen wird.

Ein knallharter Film.

Chaos. Verwirrung. Seife.

Kubrick, Nixon und der Mann im Mond, von William Karel (FRA, 2002)

Kubrick, Nixon und der Mann im Mond, von William Karel (FRA, 2002)

Dienstag, 2 April, 16:10 Uhr, Aula 

In wenigen Worten :

Wir schreiben die 1960er Jahre, als der Begriff Fake News noch in den Sternen lag und Politiker uns mit der Mondlandung bereits das Blaue vom Himmel versprachen. Welch grosses Kino.

 

Darüberhinaus :

Kubrick, Nixon und der Mann im Mond (Opération Lune auf Französisch) ist kein Kinowerk (Skandal!), sondern das Ergebnis eines Auftrags für das Fernsehen, genauer gesagt für Arte. (Echt jetzt? Zum Guten oder Schlechten? Entscheiden Sie selbst!)

William Karel hat sich der Karriere als Regisseur und dem Medium Dokumentarfilm erst gewidmet, als er bereits andere Leben - als Arbeiter bei Renault, als Mitarbeiter in einem Kibbuz, als Reporter-Fotograf usw. durchlaufen hatte. Fasziniert von der Hintertür zu Macht und Geschichte, hat er mehrere kritische Porträts französischer und amerikanischer Politiker erstellt und sich sogar mit der Funktionsweise der CIA beschäftigt.

So kam es, dass der Arte-Kanal ihn beauftragte, einen Dokumentarfilm über die Manipulation von Archiven und die Desinformation zu erstellen. Zuerst wollte Karel Hitlers gefälschten Notizbücher analysieren, aber er erkannte bald, dass die akademische Behandlung eines solchen Themas todlangweilig war.

Er änderte daher radikal seine Methode und filmte Kubrick, Nixon und der Mann im Mond. Darin widmet er sich der dunklen Seite des Mondes und versucht, die Schattenseiten des Wettlaufs zum Mond zu beleuchten.

Der Lichtkegel seiner Untersuchung fällt dabei auf die geheimen Verbindungen, die Stanley Kubrick in den späten 1960er Jahren angeblich mit der NASA hatte, oder auf Befragungen der Berater von Richard Nixon und seiner Sekretärin Eve Kendall. In die gleiche Reihe stellen sich Zeugen wie Astronaut Buzz Aldrin oder die ehemaligen CIA- und KGB-Agenten Ambrose Chapel und Dimitri Muffley, deren Aussagen zunehmend den Verdacht erhärten, dass die amerikanische Raumfahrtbehörde sich wohl selbst als Regisseur versucht haben könnte. 

Kubrick, Nixon und der Mann im Mond lädt uns ein, die Natur der historischen Wahrheit und das, was ihr zugrunde liegt, zu hinterfragen. Dies ist eine seltene Gelegenheit, kritisches Denken in Echtzeit anzuwenden. Sollen wir ohne zu zögern akzeptieren, was uns vorgeschlagen wird? Wie können wir als Zuschauer zwischen der offiziellen, wahren Version und den Unwahrheiten unterscheiden?

Letztendlich scheint der Film Fragen aufzuwerfen, deren Antworten genau so anziehend und geheimnisvoll sind wie das schwarze Loch im Zentrum einer Spiralgalaxie. 

Dies ist kein Dokumentarfilm. Es ist ein Manifest.

Womöglich gibt es überhaupt keine Dokumentarfilme.

Laurence Anyways, von Xavier Dolan (CA, 2012 E/d/f)

Laurence Anyways, von Xavier Dolan (CA, 2012 E/d/f)

Donnerstag 28. Februar, 16h10, Aula

In wenigen Worten:

In den 90er Jahren gesteht Laurence seiner Freundin, Fred, dass er eine Frau werden will. Entgegen aller Widerstände, und vielleicht sogar aus purem Trotz, stellen sich die beiden den Vorurteilen ihres Umfelds, widersetzen sich dem Einfluss ihrer Familien und spotten den Phobien der Gesellschaft. Zehn Jahre lang versuchen sie, diese Übergangsphase durchzustehen, wobei sie sich auf ein waghalsiges Abenteuer begeben, welches alsbald seinen Tribut fordert. Stürzen sich die beiden mit ihren Eskapaden wohl ins Verderben, oder birgt das Ziel ihrer Reise doch noch die lang ersehnte Erlösung von den Zwängen und Ängsten des Andersseins?

 

Darüberhinaus:

Laurence ist ein Mann

eine Frau

ein Dichter

eine Dichterin

die Fred liebt,

die eine Frau ist,

aber er trägt den Namen eines Mannes, richtig?

Laurence hat eine tiefe Stimme.

und weiche Haut

lange Haare

kurze Haare

Der verwirrte Laurence wandert durch Montreal

Die stille Laurence im Lärm auf der Île au Noir

Der hochhackige Laurence, der fällt, aber wieder aufsteht.

Die verträumte Laurence, die sich zeigt und versteckt, weil wir sie zu sehr oder nicht genug anschauen.

Laurence, der Fred liebt,

die sie nicht mehr liebt.

Oder liebt er sie immer noch?

Fred, die einen ganz anderen Mann liebt,

weil sie noch nicht oder nicht mehr fassen kann,

dass Laurence ein ganz anderer Mensch ist.

Laurence legt nicht die Regeln fest,

Regeln, die er eigentlich gar nicht hat,

doch gibt es Regeln

für das Zusammenleben,

in der Schule,

für die Filmproduktion...

Laurence: ist sie ein Mann, oder ist er eine Frau?

Anyways.

 

Laurence Anyways ist eine Oper, ein Porträt, zwei Porträts, ein Epos, eine Tragödie, die gut endet, ein Liebesfilm, ein Wiedervereinigungsfilm, ein Trennungsfilm, eine Modeschau, ein zu langer Film, ein zu kurzer Film. Laurence Anyways ärgert, bewegt, transportiert, schlägt, bläst, bricht, verdreht, verwandelt sich. Vielleicht – oder vor allem – ist Laurence Anyways ein Film, der immer versucht, unser Verhältnis zur Normalität auf intelligente Weise in Frage zu stellen. Wenn also ein Journalist Laurence fragt, wonach er sucht, kann man zwischen den Zeilen seiner Antwort auch den Kommentar herauslesen, welcher der junge Regisseur Xavier Dolan seit seinen ersten Filmen zu vertreten scheint: “Ich suche jemanden, der meine Sprache versteht und sie spricht. Jemanden, der, ohne ein Außenseiter zu sein, nicht nur über die Rechte von Aussenseitern nachdenkt, sondern auch über die Rechte derer, die sich als "normal" bezeichnen.”

Vertigo, Alfred Hitchcock (USA, 1958, Edf)

Vertigo, Alfred Hitchcock (USA, 1958, Edf)

Dienstag 15. Januar, 16:10 Uhr, Aula

In wenigen Worten :

In Vertigo folgen wir John « Scottie » Ferguson, einem ehemaligen Polizeiinspektor, der von einem seiner Freunde beauftragt wurde, dessen Frau Madeleine zu folgen. Es besteht nämlich der Verdacht, dass sie von ihrer Vorfahrin Carlotta Valdès verfolgt wird... aber je weiter die Untersuchung geht, desto verwobener wird das Geheimnis um Madeleines Identität.

 

Darüberhinaus :

Claude Chabrol, ein französischer Regisseur, Kameramann und Lügner, ist der Ansicht, dass es drei Kategorien von Filmen gibt: Ungerade Filme, gerade Filme und schlechte Filme. Ungerade Filme machen Produzenten glücklich, weil sie das Publikum von der ersten Vorstellung an verführen, bevor sie es beim nächsten Mal enttäuschen. Damit sind mindestens zwei Kinobesuche gewährleistet. Gerade Filme hingegen wirken beim ersten Mal harmlos, zeigen sich aber in ihrer ganzen Pracht, wenn man sie wiederholt sieht. Noch ausgeprägter ist dieser Effekt, wenn der Film mit einem gewissen Ruf behaftet wird: “Wozu das alles? Und so viel Aufregung um Nichts? Es gibt wirklich Garnichts, was an diesem Film eine große Rolle spielen könnte!”

Vertigo ist zweifellos ein gerader Film. So wurde er von der Öffentlichkeit und den Kritikern ignoriert, als er herauskam. Erst durch das «Korrekturlesen» erhielt dieses akribische Labyrinth aus falschen Spuren seinen Status als Meisterwerk.

Mit Vertigo erforschte Hitchcock den Begriff des Schwindels eingehend. Nebst der vielschichtigen Story ist auch die Kamera ständig Quelle dieses seltsamen Unbehagens, das einem Höhenangst suggeriert. Dabei vermag das Medium Perspektiven so zu inszenieren, dass der Boden, der auf uns zukommt und sich vor unseren Augen erstreckt, in Spiralen, Voluten und anderen konzentrischen Strukturen wahrgenommen wird. Unsere Augen vermögen sich dabei nur schwer der unwiderstehlichen Anziehungskraft dieser Bilder entziehen.

Aber Hitchcock geht weit über eine rein physikalische, kinetische und chromatische Erforschung des Phänomens hinaus. Der physische Schwindel ist in der Tat ein Sprungbrett für den Einsatz eines echten ontologischen Schwindels, den die Zuschauer durch Scotties Augen erleben. Gespielt von John Stewart, erlebt dieser Charakter eine Achterbahn der Emotionen; als ständig halluzinierender und verblüffter Protagonist scheint er sich im Geheimnis um Madeleines wahrer Identität zu verlieren. Wer ist sie? Ist sie jemand anderes? Wer war sie? Existiert sie wirklich? So viele Fragen, dass sich dem Zuschauer der Kopf dreht, wenn er sich visuell mit einem großartigen und schwindelerregenden Spiel von Aussehen und Formen konfrontiert sieht, das sich zwischen Scottie und dem Objekt seiner Begierde stellt. Dabei ist nicht bloss sein Verlangen nach Wahrheit, sondern auch das fleischliche Verlangen gemeint, das die objektive Suche nach Madeleines wahrer Identität zusehends erschwert. Denn die Liebe, die Leidenschaft vernebelt allmählich die Sinne des Ermittlers, und er gerät alsbald in eine Spirale aus widersprüchlichen Dynamiken. Vielleicht befinden wir uns also mittendrin im Schwindel: Wenn Madeleine also nicht diejenige ist, die sie zu sein scheint, in wen ist Scottie dann verliebt?

Vertigo ist Hitchcock pur: Er zeichnet uns darin das Bild einer Liebesgeschichte, indem er vorgibt, einen Krimi zu erzählen, der stets vom Fantastischen überschattet wird. Dabei wird der Zuschauer Zeuge von Scotties Kampf zwischen Wahn und Wirklichkeit.

In Vertigo ist es Hitchcock, der uns anlügt, der uns so gut anlügt, dass wir nicht mehr wissen, wo Oben und wo Unten ist.

The Truman Show, von Peter Weir (AUS, 1998 E/d/f)

The Truman Show, von Peter Weir (AUS, 1998 E/d/f)

Donnerstag 6. Dezember, 16h10, Aula

In wenigen Worten :

Truman Burbank, ein Versicherungsvertreter mit einer friedlichen und sorgfältig geplanten Existenz, ist unwissentlich der Held einer Reality-Show. Aber seine Träume passen nicht zum Drehbuch von The Truman Show…

 

…und einige mehr:

Die ganze Spannung der Truman Show liegt im Namen ihres Protagonisten.

Truman, wie sein Vorname schon sagt, ist das einzige authentische Wesen in Seahaven. Was er für eine kleine und saubere Inselstadt hält, ist in der Tat ein gigantisches Fernsehstudio voller Kameras und Mikrofone, bevölkert von Schauspielern und Statisten. In diesem künstlich konstruierten Städtchen, in dem selbst das Wetter den Einschränkungen des Szenarios gehorcht, ist nur Eines dem Zufall überlassen: „Truman ist echt. Kein Skript, kein Prompter. Es ist nicht immer Shakespeare, aber es ist authentisch.“ Das ist das Versprechen von Christof, dem Regisseur der Show: Trumans Offenheit fasziniert das Publikum. Ob auf seinem Sofa, in einem Bistro, bei seinem Job, oder sogar in seiner Badewanne, wir folgen ihm auf Schritt und Tritt. Ohne Unterbruch. Zu Tausenden. Wenn die Funktion existierte, würden wir pausenlos den „Like“ Button drücken.

Truman ist das genaue Gegenteil von einem Youtuber oder von jemandem, der an einer Reality-Show teilnehmen würde. Die Intimität, die er völlig unbeabsichtigt zeigt, wird nie gespielt – auch wenn sie von den Showproduzenten oftmals dazu instrumentalisiert wird, um Alltagsprodukte anzupreisen, bleibt Truman sich und seiner Ideale treu.

Weniger transparent verweist der Familienname des Protagonisten, Burbank, auf die Lüge seiner Existenz. Tatsächlich führte die kleine Stadt Burbank, Kalifornien, während des Zweiten Weltkriegs ein Doppelleben. Als strategisch wichtiger Flugplatz wurde sie mit Hilfe von Hollywood-Schriftstellern, Landschaftsplanern und Technikern als friedlichen Vorort getarnt. Vom Himmel aus zeigte die Stadt das Ballett harmloser Zivilisten, die zur Arbeit gehen oder Felder und Rasenflächen pflegen, während die Flugzeugfabriken, versteckt unter Planen, hinter den Kulissen weiterhin die P-38-Kämpfer produzierten, die den Japanern das Leben schwer machen sollten.

Während Christof Trumans Spontaneität als Herzstück seiner Show vorantreibt, ist sie einer ständigen Manipulation ausgesetzt. Dabei strebt der Regisseur an, die Persönlichkeit und die Wünsche des Protagonisten, den er als sein Geschöpf sieht, so darzustellen, dass dessen Leben mit dem von ihm geschriebenen Drehbuch verschmilzt.

Was wird wohl passieren, wenn Truman beginnt, die gut geölte Mechanik seiner Existenz in Frage zu stellen? Und was wird jenseits des Schicksals des Protagonisten mit uns, den Zuschauern, Neugierigen, Voyeuren, passieren? Was empfinden wir für diejenigen, die wir beobachten? Mitleid? Neid? Ärger? Gutmütige Gleichgültigkeit? Und vor allem...wozu schauen wir sie uns überhaupt an?

John Carpenter: They Live. USA, 1988, E/d/f

John Carpenter: They Live. USA, 1988, E/d/f

Dienstag, 9. Oktober, 16:10 Uhr, Aula

 

In wenigen Worten:

John wandert durch Los Angeles. Er bekommt eine Brille, die es ihm ermöglicht, die Welt so zu sehen, wie sie ist: vollständig von Außerirdischen Aliens kontrolliert.

 

…und einige mehr:

They live…aber wer ist gemeint?

John Nada ist die Hauptfigur des Films und hat einen stereotypischen Vornamen, und einen Nachnamen, der alles oder nichts bedeutet, nada. Er ist eine Idee, ein Konzept. Er ist nichts - ohne Herkunft, ohne Vergangenheit, ohne Familie - hat nichts - kein Haus, keine Gegenstände - und wandert auf der Suche nach einem Job in einem Vorort von Los Angeles am Rande der Auflösung. Er ist die Inkarnation der Armut, er ist das Nichts, das die Gesellschaft bestenfalls dazu bringt, es aus der Welt zu verbannen, im schlimmsten Fall mit dem Daumen oder ihren Worten zu zerquetschen - weniger als nichts, ein Nichtsnutz. Er verkörpert Arbeitslosigkeit, Armut, Marginalität, Einsamkeit. Er ist derjenige, der manchmal – oft? – von der Gesellschaft verdrängt wird, um vorzugeben, dass alles in Ordnung ist; er ist auch gegen das System, ein wenig gegen seinen Willen. Nada! John wird aber nicht aufgeben. 

Obwohl John Nada mehr schlecht als recht lebt, gibt es auch die “Anderen”, und da wird es schwierig.

“Sie”, die ihr Leben ohne Stolpersteine, aus makellosen Glastürmen, sonnigen Feiertagen und Kaffeepausen zwischen zwei Mittagessen darstellen. Aber “sie”, die mit ihren Aktenkoffern zeigen, dass sie es geschafft haben, scheinen plötzlich in den Augen Johns den Schrecken der modernen Welt und die heimtückische Dominanz, die ihr zugrunde liegt, zu verdichten. In Johns Augen, weil nur eine mysteriöse Brille, die zufällig in einer Kirche gefunden wird, es ihm ermöglicht, im wahrsten Sinne des Wortes die Realität unter dem Schein, die Wahrheit unter der List, die ideologischen Intrigen unter dem Lack des Realen wahrzunehmen. Wie können wir, wenn wir “Nichts” wie John Nada sind, diese zugrunde liegende Bedrohung bekämpfen? Was können wir gegen die tun, die den Fortschritt der Welt kontrollieren und die Realität zu ihrem Vorteil manipulieren?

Der andere John, diesmal Carpenter, bietet mit They Live eine filmische Antwort auf diese Fragen. Eine Antwort in Form eines tollwütigen politischen Feuerballs mit entzückendem Charme der achtziger Jahre, einen gefälschten Science Fiction B-Movie, der unter einer Reihe von unglaublich veralteten Haarschnitten zeitlose Herausforderungen für unsere Gesellschaften verbirgt, Gesellschaften in denen Freiheit und ideologische Versklavung so miteinander verflochten sind, dass die Grenze zwischen den beiden manchmal schwer zu erkennen ist. John Carpenters Verfilmung ist ein Aufschrei, der sich zu seiner Zeit gegen Ronald Reagans ultraliberale Politik richtete. Er zwingt seine Zuschauer eine Brille zu tragen, die die Realität offenbart, eine Realität, die weh tut. Ist das nicht ein idealer Start in eine Cinéclub-Saison, die unter dem Motto steht, einen Schleier zu lüften?

Saison 2018-2019 - Vorhang auf!

Saison 2018-2019 - Vorhang auf!

Vorhang auf für die zugleich neue und erste Saison des Cinéclubs des Gambachs.

Spitzen wir die Ohren, öffnen die Augen und freuen uns auf das Programm, mit welchem Matthieu Troillet & Olivier Vonlanthen für die Overtüre dieses erstmals stattinfindenden, aber doch  traditionell gehaltenen Cinematographie-Ereignis aufwarten. 

Wir sehen uns dann im Kino!

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Vorschau auf die Saison 2018-2019